Museums Tatort auf fünf Bildern entdeckt

Lara Bellenghi

Trotz hoher Schneemassen stand den harten Expert*innen dem monatlichen Besuch im Kunsthistorischen Museum nichts im Wege. Am 20. Februar 2026 ging es um den „Tatort Museum – Die Spuren von Schuld und Strafe“. Dazu hätte es mehr als genug passende Werke gegeben. Glücklicherweise hatte erstmals Lara Bellenghi die Rolle als Vermittlerin übernommen. Gemeinsam wählten wir die fünf am besten passenden Gemälde mit Schuld- und Strafideen aus.

Zum Beginn zeigte uns Lara den jugendlichen Burschen David, der den Kopf des besiegten Feldherren Goliath am Haarschopf trägt. Der Maler Michelangelo Merisi, genannt Caravaggio (1571-1610) versetzte David einen nachdenklichen Blick. Denn im Laufe der Zeit wurde auch dieser Sieger ein herrschsüchtiger Kriegsheld.

„David mit dem Haupt des Goliath“, um 1600 von Caravaggio

„Susanna im Bade“, um 1555 von Jacopo Tintoretto

Als Lieblingsbild von Susi hatten wir „Susanna im Bade“, um 1555 von Jacopo Tintoretto (1518-1594) schon einmal besprochen. Auch hier stellte sich die Frage, wer wirklich der Schuldige an diesem Liebesspiel war, die nackte Dame oder doch die heimlichen Verehrer? Weil sie beide Herren ablehnte, beschlossen diese sie zu verleumden. Laut Ehebruch wäre sie zum Tode verurteilt worden, hätte sie der Schiedsrichter Daniel nicht doch noch davor gerettet.

Bei „Diana und Kallisto“, um 1566 von Tizian wurde die Nymphe unschuldig verurteilt. Auf dem Brunnen steht der griechische Göttervater Zeus, der Kallisto geschwängert hatte. Aus Strafe und Eifersucht der Jagdgöttin Diana, ihrem Gefolge und auch Juno, der Gattin des Zeus, wurde das Opfer verstoßen. Zu spät wurde Kallisto dann von Jupiter zum Sternbild „Großer Bär“ erhoben.

„Diana und Kallisto“, um 1566 von Tizian und Werkstatt

„Ecce Homo“, 1543 von Tizian (1488-1576)

Auch die Verurteilung von Jesus „Ecce Homo“, 1543 von Tizian (1488-1576) kritisiert die gesprochene Strafe. Gemeint ist damit der biblische Ausspruch von Pilatus „Siehe, der Mensch“ über die Verurteilung von Jesus. Doch wer hier aller wen mit unterschiedlichen Gesichtszügen schuldig erklärt, sei dahingestellt.

Unser letztes Bild war auch von Tizian: „Christus und Ehebrecherin“, um 1512. Jesus blickt auf die demütige Sünderin und stellt in Frage, wem es wirklich zusteht, einen Stein auf sie zu werfen. Auch hier war die Frau schuldig erklärt worden. Doch auch in der Gegenwart gibt es viel mehr schuldige Männer als Frauen. Hoffen wir, dass heute vor Gericht immer die wahren Verbrecher verurteilt werden.

„Christus und Ehebrecherin“, um 1512 von Tizian

Unser nächster Besuch im KHM ist am Freitag, 20. März 2026, Dabei geht es um den Weltfrauentag im Frauenmonat. Treffpunkt: 14.45 Uhr in der Eingangshalle. Anmeldung bitte bis zum Vortag im Vereinsbüro erbeten!

 

Sigrid Kundela

 

Veröffentlicht in Aktuelles, Allgemein, Inhalt, Kunsthistorisches Museum.