15.05.2026
Besonders verlockend war am 15. Mai 2026 eine Sonder-Ausstellung im Kunsthistorischen Museum KHM. Diesmal ging es um „Canaletto & Bellotto“ mit deren wunderschönen Stadtbilder. Andrea Marbach wusste ganz genau, wie sie uns deren Kunstwerke am besten nahebringen konnte.
Mit Andrea Marbach (stehend mit Kopftuch) vor Schloss Hof
Giovanni Antonio Canal, genannt Canaletto, wurde am 7. Oktober 1697 in Venedig geboren. Sein Vater war Bühnenbildner für ein Theater und führte seinen Sohn in die Malerei ein. Nachdem sich mittlerweile auch nichtadelige Leute ein Bild leisten konnte, verlegte er sich auf Stadtgemälde. Das war eine gute Idee, denn den Fotoapparat gab es damals noch nicht.
Canaletto, Venedig aus 1735/1744
Canalettos Bilder waren sehr detailgenau und ein Foto könnte kaum genauer sein. Zur Genauigkeit verwendete er eine Camera obscura, mit deren Hilfe die Winkel, Abstände und Größen übertragen werden konnten.
Canaletto, London: „Die Themse am Land Mayor´s Day“, um 1748
Der englische Konsul in Venedig war damals Joseph Smith. Begeistert von diesen wunderschönen Stadtbildern verschaffte er Canaletto viele Aufträge in England. Seine Darstellungen von London zählen als die besten der damaligen Zeit. Nach zehn Jahren kehrte er wieder zurück nach Venedig und starb am 19. April 1768.
Sein Neffe Bernardo Bellotto kam am 20. Mai 1722 auch in Venedig auf die Welt. Schon früh erkannt der Onkel sein Talent und nahm ihn bereits mit 14 Jahren in seiner Werkstatt auf.
Als 25-jähriger übersiedelte er 1746 mit seiner Frau und drei Kinder nach Dresden. Dort wurde er am kurfürstlichen Hof angestellt. Er perfektionierte die Kenntnisse seiner Ausbildung und übernahm den Künstlernamen seines Onkels Canaletto. Dadurch ist man sich heute bei manchen Bildern nicht mehr ganz sicher, wer von den beiden es tatsächlich gemalt hatte.
Im Jänner 1759 kam Bellotto nach Wien, wo er für den Hochadel Aufträge erhielt. In zwei Jahren stellte er viele bekannte Sehenswürdigkeiten dar. Damals war freilich vieles noch anders als heute. So kannte niemand von uns den Mehlplatz, mit der Stephanskirche im Hintergrund. Andrea klärte uns aber auf. Damit war der heutige Neue Markt gemeint, wo damals Mehl verkauft worden war, wie man auf dem Karren, ganz rechts erkennen kann
Bellotto: „Der Mehlmarkt in Wien“, 1759/60
Bei einem anderen Bild konnte ich dafür Andrea noch etwas verraten. Gemeint ist damit „Wien vom Belvedere aus gesehen“, 1759/60, das wir im KHM schon öfter beim Vorbeigehen gesehen hatten. Mir ist dieses Gemälde auch aus dem Theater in der Josefstadt bekannt. Denn dort das Bild auf dem eisernen Vorhang der Bühne. Ich kenne es durch viele Theaterbesuche schon sehr gut. Nur dass dieses Bild von Bellotto stammt, wusste ich noch nicht.
Bellotto: „Wien vom Belvedere“
KHM + Theater in der Josefstadt
Bei dem großen Gemälde von Bellottos „Die Ansicht von Schloss Hof, Gartenseite“ wurde zum Schluss das Gruppenfoto gemacht. Dafür bitte nochmals zum Beginn zurückschauen.
Nachdem Dresden während seiner Abwesenheit zerstört wurde, übersiedelte er zunächst mit seiner Frau und Töchtern nach München. Dafür erhielt er sogar ein Empfehlungsschreiben für die Wittelsbacher von der Habsburger Kaiserin Maria Theresia. Dennoch kehrte er nach dem Kriegsende zurück nach Dresden. Mittlerweile war allerdings die etwas freiere Rokokomalerei entstanden und Bellotto verlor seinen guten Ruf. Auch seine Architekturfantasien ließen ihn nicht mehr genug Verdienste zukommen. Also suchte er sich einen neuen Arbeitsplatz und landete schließlich in Warschau. Dort wurde er von König Stanislaw II. August mit dessen noch im Barockstil geprägtem Geschmack verehrt. Auf den großen Warschauer Bildern sind viele Personen zu erkennen, die damals bekannte Persönlichkeiten waren.
Bellotto: „Architekturfantasie mit Selbstbildnis in den Roben eines venezianischen Edelmannes“, 1763
Bernardo Bellotto erlitt mit 58 Jahren einen Schlaganfall und starb am 17. Oktober 1780 in Warschau.
Sigrid Kundela








