Erika Giovanna Klien vertritt Kinetismus

2. Oktober 2026

Eigentlich sollte man erwarten können, dass Künstlerinnen die gleiche Wertschätzung erfahren wie ihre männlichen Kollegen. Denn Gustav Klimt mit seinem „Kuss“ kennt doch jeder?! Aber wer hat schon einmal etwas von Erika Giovanna Klien gehört? Nächstes Jahr soll es eine Dokumentation über diese vielseitige österreich-amerikanische Künstlerin geben. Wir wollten freilich nicht mehr so lange darauf waren. Also ließen wir uns am Freitag, dem 2. Oktober, in der Sonderausstellung des Unteren Belvederes von Eva Mühlbacher mehr über Kliens „Kunst in Bewegung“ erzählen.

Expertin Eva Mühlbacher (li in Hocke) mit Leuten unserer SHG-SHT

Erika Giovanna Klien kam am 12. April 1900 in Trentino (Norditalien) auf die Welt. Nachdem ihr Vater als Bahnhofvorsteher öfter versetzt wurde, kam sie 1919 mit ihren Eltern nach Wien. Dort absolvierte sie ein Studium an der Kunstgewerbeschule und wurde zu einer der wichtigsten Vertreterinnen des Wiener Kinetismus. Diese Kunstrichtung erzeugt den Eindruck von Bewegung oder bewegt sich tatsächlich. Gleich zu Beginn der Ausstellung wird das mit Bildern von Vögeln im Flug veranschaulicht.

„Vogelflug“, 1926

„Abtauchender Vogel“, 1939

1926 übernimmt Klien den Kunstunterreicht in Salzburg-Klessheim. Ihren Sohn Walter bekommt sie zwei Jahre später in Graz und gibt ihn zu Pflegeeltern. Dennoch bleibt sie mit ihm als späteren Pianisten ihr Leben lang in Kontakt.

„Pferde, Häuser, Frau und Mann mit Zylinder“, 1925

In einem Raum waren einzigartige Bildgeschichten zu sehen, die sich ein wenig über den Alltag lustig machten und Eintragungen in ihr Tagebuch waren. Einen lustigen Reim trug uns Eva zu einer der vielen humorvollen Zeichnungen vor:

„Erika, oh Erika, jetzt fahr´n wir nach Amerika“

In der Hoffnung auf noch mehr Erfolg übersiedelte sie 1929 nach New York (USA). Dafür war die schwere wirtschaftliche Krise allerdings ein Hindernis. Wie anstrengend das Leben in der Großstadt wohl war, zeigen zum Beispiel diese beiden Gemälde aus dem Alltag:

„Ironcutter - Eisenschneider“, 1939

„The Driller - Bohrer“, 1933

Für ein besseres Einkommen arbeitete Klien als Kunstpädagogin an mehreren Schulen. Daneben war sie ihr ganzes Leben auch mit Theater und Tanz beschäftigt. Und die Ideen für ihre Bilder sind wirklich sehr vielfältig:

„Rauchender Kanalschaft“, 1950

Leider wird Klien durch eine Krankheit geschwächt und hört 1951 mit dem Unterrichten auf. Im Sommer 1957 stirbt Erika Giovanna Klien in New York. Eine Dokumentation über die derzeitige Forschung wird Anfang 2027 noch mehr verraten.

Unser nächster Termin im Belvedere findet am Fr, 6. November beim Workshop im Atelier des Belvedere21 statt. Diesmal lautet das Thema: Topform – Kreatives formen in Ton. Treffpunkt ist um 14.45 Uhr in der Eingangshalle. Eine Anmeldung bis zum Vortag ist erforderlich!

 

Sigrid Kundela

Veröffentlicht in Aktuelles, Allgemein, Besuche im Belvedere, Inhalt.