Im Belvedere die Farbe Rot entdeckt

Am 2. September gab es die Fortsetzung der barrierefreien Führungen im Oberen Belvedere. Mag. Sabine Müller-Englerth begrüßte uns diesmal und hatte zu dem Thema „Die Farbe Rot in der Kunst“ viel für uns vorbereitet. Wer denkt, wir hätten uns jetzt nur spezielle Bilder angesehen, der irrt gewaltig.

Sabine mit roten Farben

Bis vor knapp 150 Jahren war es nämlich noch gar nicht möglich, sich die Ölpaste in unterschiedlichen Farben aus der Tube zu drücken. Aus der Steinzeit findet man zwar in der Höhlenmalerei braunrote Zeichen. Doch dafür musste erst Lehm mit Pflanzen und Wurzeln vermischt werden.

Von richtiger Malerei kann man aber erst in der Antike und dem Mittelalter sprechen. Dafür zeigte uns Sabine ein Bild über die „Geburt Christi“, das um 1400 auf Buchenholz entstanden war. Hier fiel das leuchtende Blau des Kleides der Mutter Maria auf. Dafür verwendete man das natürlich vorkommende Gestein Lapislazuli, dass zu teuren Kosten aus der heutigen Gegend von Afghanistan geliefert wurde.

In einer Steinmühle musste dieses sehr harte Element in kleine Brösel vermahlen werden. Für Rot gab es andere Stoffe, die mit Öl oder Eiern verrührt zu brauchbaren Farben wurden.

Bis in die späte Neuzeit gab es für diese Arbeit angestellte Hilfskräfte. Wie hätten die berühmten Künstler ohne deren Hilfe so viele eindrucksvolle Gemälde geschafft?

Interessant war das adelige Bild „Die Familie des Grafen Nikolaus Pálffy von Erdöd“ von Martin van Meytens. Es war um 1760 in Stockholm entstanden und man konnte nicht übersehen, dass Rot die Farbe der Macht war – und auch heute noch ist!?

Erst in der Zeit um 1850 kam der Fortschritt für Malfarben aus der Tube. Dadurch war es erstmals auch möglich mit einer Staffelei im Freien Bilder zu malen. Man konnte mit Farbtupfen auf der Palette den gewünschten Ton vermischen und so der Gegenwart anpassen. Man brauchte sich keine Skizzen mit dem Stift mehr machen. Was die Künstler/innen sahen, konnten sie realistisch darstellen.

Wir waren begeistert über die interessante, verlängerte Stunde mit Sabine. Es war so viel über die Farbe Rot zu erfahren, dass wir uns vielmals bei ihr bedankten. Hoffentlich werden wir uns bei einer der nächsten Führungen bald einmal wiedersehen!?

Einige gingen danach nach ins angeschlossene Café. Mit der Klimt-Torte, der Belvedere-Schnitte und dem Topfen-Obers-Kuchen fassten wir unsere Eindrücke zusammen. Es war wunderbar!

SK

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