Wer „Charaktere“ des Bildhauers Franz Xaver Messerschmidt (1736-1783) schon einmal gesehen hat, kann sie nicht vergessen. Die Die unterschiedlichen Köpfe mit den verschiedenen Gesichtszügen hatten wir schon ein paar Mal bei unseren Besuchen im Belvedere gesehen. Aber jedes Mal kamen noch neue Eindrücke dazu. So konnten wir bei der Sonderausstellung am 7. November gemeinsam mit Yannick Steiner noch mehr über den rätselhaften Bildhauer erfahren.
Wer konnte mit Yannick (ganz re) am besten lachen?
Messerschmidt war in Wiesensteig (D) geboren und besuchte bei seinem Onkel in München die Bildhauerlehre. Durch die Wanderschaft kam er von Graz nach Wien, wo er an der Akademie der bildenden Künste studierte. Bald erhielt er von Kaiserin Maria Theresia große Aufträge. 1771 beginnt Messerschmidt mit den „Charakterköpfen“. Nachdem er bei der Professorenwahl auf der Akademie übergangen wurde, übersiedelt er schließlich nach Bratislava (SLO). Dort kaufte er sich 1780 in der Vorort Zuckermandel ein Haus. Er starb mit nur 47 Jahren angeblich einer Lungenentzündung.
Nachdem von uns noch niemand selbst einen Kopf gegossen hatte, erklärte uns Yannick diese Bildhauertätigkeit ganz genau. Zuerst wird das Gesicht aus Wachs herausgearbeitet, dann mit Ton abgeformt. So entsteht eine Negativform, vergleichbar mit einer Kuchenform. In diese Form wird flüssige Metalllegierung ge-gossen. Abschließend entfernt man den Ton und bekommt die fertige Figur - siehe rechts Kaiserin Maria Theresia als Zinnguss.
Kaiserin Maria Theresia, 1760
Charakterkopf Nr. 35
Für die Charakterköpfe verwendete F. X. Messerschmidt Alabaster, das dem Marmor sehr ähnlich schaut. Sie wurden nur nummeriert und erhielten später von Experten einen kennzeichnenden Namen. Doch schon in unserer Gruppe waren wir uns nicht einig, was sie für uns bedeuteten.
Nachdem diese Köpfe auf der ganzen Welt verstreut sind, ist auch deren Anzahl unsicher. Obwohl für die Gestaltung einer Figur so viele Schritte notwendig sind, ist es unvorstellbar, dass Messerschmidt in seinem doch sehr kurzen Leben etwa 55 Charakterköpfe gemacht hatte.
Was sicher auch nicht jeder kennt, ist die Messerschmidtgasse seit 1894 in Wien-Währing. Wie wertvoll diese Figuren sind, konnte man 2005 bei einer Versteigerung im Sotheby (USA) feststellen. 3,7 Millionen Euro war dort ein Werk von Messerschmidt dem Pariser Louvre (F) wert.
SK








